Story: HALLO - Mach was, Idiot!

Story: HALLO - Mach was, Idiot!

Bei den alten Griechen (ab ca. 800 v. Chr.), in der demokratischen „Polis“, der Bürgergemeinde, war es eine Selbstverständlichkeit, sich in und auch für die Gemeinschaft zu engagieren, - an ihr teilzuhaben.  

Idiotes: war nicht wertend gemeint, sondern bedeutete einfach nur soviel wie „Privatperson“. Das lateinische „Idiota“ stand später schon mehr für den Laien, Stümper und unwissenden Menschen. Heute hingegen muss der „Idiot“ als Schimpfwort herhalten; was für ein Wandel... 

Gemeinschaftliches Engagement, auch Verein genannt, gibt es – gut zweieinhalb Jahrtausende später – in neuer und verwandelter Form wieder. Warum? In Österreich hat sich die Zahl der Vereine in den letzten 50 Jahren auf cirka 120.000 Vereine verdreifacht, in Deutschland seit den siebziger Jahren auf 600.000 Vereine verfünffacht. Jede zweite Bürgerin, jeder zweite Bürger ist in irgendeiner Form gemeinschaftlich engagiert. Drei von vier Bürgerinnen, Bürgern sind aktive Mitglieder; an der Spitze der Beliebtheit: die Sportvereine. 

Diese gesellschaftliche Entwicklung interessiert längst nicht nur Historiker, Statistiker, Soziologen oder Politikwissenschaftler, sondern auch die Psychologen und die Mediziner. Mit überraschenden Erkenntnissen! Was vor einigen Jahren noch als „Vereinsmeierei“ abschätzig bewertet wurde, spielt heute als „Nichtstaatliche“ (NGO) und „nicht auf Gewinn orientierte Organisation“ (NPO) eine nicht unerhebliche Rolle auf der lokalen, wie auf der Weltbühne

Mitreden, mitgestalten

Beim Nachbarn Deutschland – und das wird bei uns kaum weniger ausgeprägt sein – wollen 81 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mehr Beteiligungs- und Mitsprache­mög­lichkeiten im politischen Prozess. 60 Prozent wollen sich an Diskussionsforen, Bürger­begehren oder Anhörungen beteiligen. 85 Prozent sind davon überzeugt, dass durch mehr Bürgerbeteiligung politische Entschei­dungen eine höhere Akzeptanz in der Bevöl­kerung finden. 76 Prozent sehen in mehr Bürgerbeteiligung eine gerechtere Zukunft. (Bertelsmann Stiftung, repräsentative Umfrage). Das heißt, die Bürger/innen der „Polis“ von heute wollen ihr Schicksal und das ihrer Gemeinschaft selber in die Hand nehmen und die Zukunft und die ihrer Kinder selbst bestimmen. Die Untersuchungen zeigen aber auch, dass es bei der Bürger­beteiligung in den so genannten „bildungsfernen“ Schichten eher schlecht ausschaut. Mit anderen Worten, die - die sich engagieren sind jene Bürgerinnen und Bürger mit der höheren Bildung. Ergebnis: ein verzerrter Volkswille; Lösung: möglichst alle Bürgerinnen und Bürger mit der notwendigen „Partizipationskompetenz“ (welch ein Wort; Anm. d. Verf.) ausstatten.

Der Verein muss informieren

Die Sozialpädagogen/innen sprechen allerdings lieber von mehr oder weniger vorhandenen „Informationsdefi­ziten“, wenn von den „bildungsfernen“ Teilen der Gesellschaft die Rede ist. Wie auch immer, der Befund passt gut zu den Ergebnissen einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, wo unter anderem auch nach den Gründen für ein sich Nicht-Engagieren gefragt wurde. Hier sagt zwar die Mehrzahl „weil man sie noch nie darum gefragt hat“ und „weil sie aus familiären Gründen keine Zeit haben“ (letzteres trifft überdurchschnittlich auf Frauen zu). An dritter Stelle (38 Prozent) aber steht bereits die Aussage: „weil man über die Möglich­keiten einer Freiwilligenarbeit zu wenig informiert ist“! Dieses „Infor­mations­defizit“, so die Studie, trifft besonders drastisch auf die unter 40-jährigen zu – unabhängig von deren Bildungs­hintergrund. Ob engagiert oder nicht engagiert, große Übereinstimmung besteht darüber, wer informieren soll: 76 Prozent sagen, die Vereine müssen informieren; 80 Prozent meinen, die Gemein­den. Deutlich geringer ist der Anteil, die sich solche Informationen vom Land oder Bund erwarten.

Wir sind so programmiert

Der Hirnforscher Gerald Hüther entwickelt in seinem Buch die These, dass es bei der Entwicklung unseres Gehirns darauf ankommt, welche Erfahrungen wir mit anderen Menschen machen („Etwas mehr Hirn, bitte. Eine Einladung zur Wiederentdeckung der Freude am eigenen Denken und der Lust am gemeinsamen Gestalten.“ Erschienen bei Vandehoeck & Ruprecht). Auf einen Nenner gebracht: unser Gehirn ist ein soziales Konstrukt. Und – unser Gehirn ist eigentlich eine immerwährende Baustelle, an der auch Umstrukturierungen ein Leben lang möglich sind. 

Erst durch den Austausch mit anderen entwickeln wir uns weiter und sollten infolgedessen Gemeinschaftserlebnisse aufsuchen!

Den allgegenwärtigen Wettbewerbsgedanken – im Kindergarten, in der Schule, in der Wirtschaft, im Sportverein – hält der Hirnforscher für eine Denkfalle. Denn dadurch kann höchstens etwas, was es schon gibt, besser oder effek­tiver werden.  Das Neue kommt aber meist erst durch ein Zusammengehen, durch die Kooperation und Integration in die Welt. 

Wir brauchen also – gemäß den Bauplänen unserer Gehirne – eine Form des Zusammenlebens, wo der Einzelne sich eingeladen, ermutigt und inspiriert fühlt, seine Talente und Begabungen zu entfalten – zum Wohle aller.

Vereinsmenschen sind gesünder

Nicht nur die Hirnforschung beschäftigt sich mit dem Phänomen „Gemeinschaft“, sondern aktuell auch die Medizin und Psychologie. Fazit: Menschen, die einer Gruppe angehören und sich damit identifizieren, leben nicht nur besser und zufriedener, sondern reduzieren auch ihr Risiko für Depressionen, Schlaganfall und andere Krankheiten erheblich. Ver­einsmenschen schneiden im Kampf gegen den Alterungsprozess besser ab; ihre Körper- und Gedächtnisleistungen bleiben über Jahre hinweg tendenziell stabil. Mit anderen Worten: Vereinsmenschen sind gesünder, zufriedener, glücklicher! Sollte jetzt jemand einwenden: aber ich habe doch einen großen Freundeskreis, nette Arbeitskollegen und freundliche Nachbarn – so antworten die untersuchenden Psychologen, dass das zwar gut, aber zu wenig sei. Das alles könne nämlich ein reiches Vereinsleben nicht ersetzen. Denn nicht die Anzahl der sozialen Kontakte macht’s aus, sondern das Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit! Manche Forscher sehen die Gemeinschaft bereits als „soziales Heilmittel“. Neben der medizinischen Versorgung, der gesunden Ernährung und ausreichenden Bewegung, könnte demnächst also bereits die Empfehlung „such’ Dir einen Verein, engagier Dich, mach was“ lauten? Viele körperlichen und seelischen Probleme haben eine soziale Dimension, so die Wissenschaft. Die Netzwerke der Patienten zu stärken und auszubauen, ist wahrscheinlich therapeutisch sinnvoller als der Einsatz von Medikamenten oder Psychotherapien.

Unterm Strich

Gruppen, Vereine haben, so die Wissenschaft, ein riesiges Potential. Für jene Menschen, die einem oder mehreren solcher Kollektive angehören und sich damit identifizieren, kann das ein starkes Tonikum für Körper, Geist und Seele sein. Ein Potential, das sich lohnt, voll ausgeschöpft zu werden!

Es gibt aber auch noch andere Gründe. Die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger wird ja auch in unserem Bundesland regelmäßig erhoben. Vermessen werden dabei die „sozialen Beziehungen“, also z.B. auch die Netzwerke wie Sportvereine, weiters die „Verbundenheit“, sprich inwieweit sich die Menschen mit den Werten und Institutionen ihres Landes identifizieren und verbunden fühlen und schließlich das „Gemeinwohl“, also das Ausmaß in dem sich die Bürgerinnen und Bürger für andere Menschen und das Gemeinwohl verantwortlich fühlen, die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens respektieren und sich am politischen und sozialen Leben beteiligen. 

Es gibt nämlich eine systematische Gesetzmäßigkeit, wonach die Menschen in jenen Ländern am glücklichsten und psychisch stabilsten sind wo der soziale Zusammenhalt (also das gelebte, engagierte Gemeinwesen) hoch ist. 

Eine brandaktuelle Studie („Happier Toge­ther“, Jan Delhey und Georgi Dragolov, Sozialwissenschaftler der Universität Magde­burg und der Jacobs University Bremen) hat das jetzt Europa weit vermessen, Ergebnis: Innerhalb der 27 EU-Staaten liegt, nach den Stockerlplätzen Dänemark, Finnland und Schweden, Österreich auf dem respektablen vierten Rang - siehe Kugelgrafik, (BRD landet im Mittelfeld) und belegt, was die Ausprägung „Gemeinwohl“ betrifft, sogar den ersten Rang . Da geht also noch was. (WKB)

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