Von der Toilette in den Knast?

Von der Toilette in den Knast?

Während in Österreich zum Beispiel die Sperre verdoppelt wird, drohen in der Bundesrepublik Deutschland gar Haftstrafen: Bis zu zwei Jahre hinter schwedischen Gardinen für die dopenden Sportlerinnen und Sportler, bis zu vier Jahre für die (medizinischen) Hintermänner (und -frauen)! Der Breitensport bleibt zwar von all diesen Veränderungen einstweilen noch verschont, nur wo soll das alles hinführen? Es gibt Themen, da muss man sich vorher deklarieren, bevor man in die Diskussion einsteigt. Doping ist so ein (leidiges) Thema. Und unsere Deklaration lautet: Wir sind selbstverständlich hundert Prozent dagegen. Die Maßnahmen, die ergriffen werden, um Doping zu verhindern, die Sanktionen, die Kriminalisierung allerdings müssen hinterfragt werden dürfen. Warum, lesen Sie hier.

Die Fakten
Der Grund für die verschärfte Gangart in Sachen Doping, so die Angaben der Österreichischen Nationalratskorrespondenz, seien die neuen Regelungen im internationalen Welt-Anti-Doping Code (WADC). Würden die Anpassungen an das internationale Regelwerk per 1. Jänner 2015 nicht erfolgen, würde Österreich als möglicher Kandidat für die Austragung von Großsportveranstaltungen ausscheiden.

Daher hat der Nationalrat am 19. November 2014 einstimmig eine Novelle zum Anti-Doping-Gesetz beschlossen. Die Eckpunkte: Die Regelstrafe bei Doping-Vergehen steigt von zwei auf vier Jahre; Weiters ist es Sportlern in Zukunft verboten, mit einschlägig vorbestraften Betreuern (Trainern, Ärzten) zusammenzuarbeiten und auch die Beihilfe zum Doping durch Sportlerkollegen wird unter Strafe gestellt; Und: Sportarten mit erhöhtem Dopingrisiko stehen unter schärferer Beobachtung.

Juristerei
Warum kann uns der Welt-Anti-Doping Code überhaupt etwas diktieren? Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA Austria, gegründet 2008; 2007: Anti-Doping Bundesgesetz; 2006: Österreichischer Doping Skandal bei der Winter-Olympiade in Turin) erklärt es: Rechtlich können Regierungen nicht zur Einhaltung eines Nicht-Regierungs-Dokuments, wie dem Welt-Anti-Doping-Code, gezwungen werden. Daher wurde folgende Vorgehensweise gewählt: Regierungen ratifizieren die „Internationale Konvention gegen Doping im Sport“, ein internationales Abkommen, das einstimmig von 191 Staaten bei der UNESCO-General-Konferenz im Oktober 2005 angenommen wurde. Diese Konvention erlaubt es den Staaten, ihre eigene Anti-Doping Politik an den Welt-Anti-Doping-Code anzugleichen. Je nach individueller Gesetzes- und Verfassungssituation gibt es länderspezifische Unterschiede. Hierzulande greifen demnach das Anti-Doping Bundesgesetz, das Arzneimittelgesetz, das Strafgesetzbuch, das Rezeptpflichtgesetz und das Bundessportförderungsgesetz.

Jäger oder Pfleger
Zwischen den Anti-Doping Einrichtungen und der klassischen Rechtspflege besteht ein elementarer Unterschied. Letztere kennt die „Unschuldsvermutung“. Bei den Doping-Jägern drängt sich das Bild auf, alle (Spitzen-) Sportlerinnen und Sportler stehen von Haus aus unter Generalverdacht... Jede Sportlerin, der Sportler muss heute gewärtig sein, jederzeit (beim Training, während des Wettkampfs, zu Hause, im Urlaub usw.) auf verbotene Stoffe mittels Urin und/oder Blutprobe kontrolliert zu werden. Der Aufenthaltsort muss täglich und drei Monate im Voraus bekanntgegeben werden. Kurzfristige Änderungen sind umgehend anzugeben. Trifft der Kontrolleur den Sportler drei Mal nicht an, wird er automatisch gesperrt. Neueste Idee aus Deutschland: Vergleichbar mit der Fußfessel für Sexual- und Gewaltverbrecher (nach der Verbüßung ihrer Gefängnisstrafe) sollen die Athleten mit einem GPS-Armband ausgestattet werden, damit sie jederzeit geortet (und kontrolliert) werden können.

NADA Austria Geschäftsführer Michael Cepic hingegen sieht im so genannten „Blutpass“ (Sport-Deckel? Bei den Sexualdienstleistern wird eine einschlägige Untersuchung durch – so der Jargon – den „Deckel“ belegt) einen großen Fortschritt. Den Athletinnen und Athleten wird dabei im Laufe eines Jahres zehn bis zwölf Mal via Bluttest die „Sauberkeit“ attestiert. 2013 wurden bereits 50 „Blutpässe“ ausgestellt, heuer sollen es hundert werden. Trotzdem sieht Cepic die NADA Austria weniger als Doping-Jäger sondern mehr als Aufklärer (z.B. in den 30 Leistungssportschulen in unserem Land) und in der Prävention.

Der Sport braucht den Staat
Die NADA Austria, respektive deren 30 Kontrolleure mit noch einmal so vielen Assistenten führen pro Jahr 2.200 (davon sind 300 Bluttests, der Rest sind Urintests) Dopingkontrollen durch. Ein Viertel der Tests wird bei Wettkämpfen vorgenommen. Ergebnis: Zehn bis zwölf Sportlerinnen und Sportler pro Jahr werden des Dopings überführt! Diese „Ausbeute“ kann man jetzt als Indiz für die Wirksamkeit der Doping-Kontrolle in Österreich betrachten oder aber als erschreckend hohe Zahl Unbelehrbarer, Unverbesserlicher, Uneinsichtiger! Werden nun aber höhere Strafen, ja sogar Knast, dazu beitragen, die Zahl der Dopingfälle zu reduzieren? Auch der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes Michael Vesper muss in seiner Stellungnahme zum neuen Reglement zunächst ein, seiner Meinung nach bestehendes Vorurteil, der Sport wäre gegen ein hartes Doping-Gesetz, ausräumen. Ganz im Gegenteil: „Selbstverständlich weiß der Sport, dass er den Kampf gegen Doping nicht allein erfolgreich führen kann. Er braucht die Unterstützung des Staates mit seinen Ermittlungs- und Sanktionsmöglichkeiten. Der Sport kann weder Telefone überwachen, noch Wohnungen durchsuchen. Um den Sumpf auszutrocknen und die Helfer strafrechtlich zu verfolgen, brauchen wir Polizisten, Staatsanwälte und mit der Materie vertraute Richter, die schnell urteilen.“, so Vesper.

Parallelwelt
Der deutsche Sportchef Vesper sieht allerdings eine Parallelwelt entstehen: Auf der einen Seite die Sportschiedsgerichte, die schnell (und relativ unbürokratisch) Sperren verhängen können (in Hinkunft bis zu vier Jahre, was einem Berufsverbot gleichkommt und das Karriereende bedeutet) und auf der anderen Seite die erfahrungsgemäß behäbige „Justitia“, für die nicht nur die Unschuldsvermutung gilt, sondern wo ein riesiges Instrumentarium an Einsprüchen, Beweisen, Gegenbeweisen, Gutachten und ein Weg durch die Instanzen wartet. Was ist, wenn der Sport eine Sperre verhängt, die Gerichte aber zu einem Freispruch kommen? Wird sich diese Sportlerin, dieser Sportler dann am Verein, am Verband schadlos halten? Oder muss das Sportschiedsgericht in Hinkunft erst den Richterspruch abwarten, bis es seine Sanktionen verhängt? Die Ergebnisse von EM, WM oder Olympia würde erst Jahre später endgültig feststehen. „Die Parallelität zweier Rechtssysteme“, so Vesper im Originalton, „würde nicht mehr Sicherheit und Konsequenz im Anti-Doping-Kampf schaffen, sondern im Gegenteil zu mehr Unsicherheit führen. Die Legitimation des sportrechtlichen Sanktionssystems würde leiden, wenn sich Sanktionen des Sports und staatliche Strafen diametral unterscheiden.“ Schon verlangen die ersten Rechtsanwälte, dass der Sport nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes seine Sanktionsmöglichkeiten reduzieren müsse, weiß der deutsche Sportchef.

Das Umfeld trocken legen
Wer den Anti-Doping-Kampf fördern und stärken will, der sollte den Sport und die NADA bei der Verfolgung der Dopingtäter unterstützen; der Staat mit seinen Ermittlungsmethoden möge sich auf das Umfeld konzentrieren: auf die Ärzte, Händler, Betreuer, Beschaffer, ohne die Doping heute nicht möglich wäre, fordert der Deutsche Sportbund in seinem Statement zur neuen Novelle. Denn: „Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und allen voran der Sport – wir alle haben ein gemeinsames Interesse, Betrug durch Doping konsequent zu bekämpfen. Denn Doping schadet der Integrität des sportlichen Wettbewerbs und zerstört damit das Fundament, auf dem der Sport sein ganzes Engagement baut!“

Zum Schluss muss auf die unzähligen Studien von Pädagogen, Soziologen und Psychologen zum Thema „Strafe“ hingewiesen werden. Die „Peitsche“ wirkt nicht. Strafe und noch mehr Strafe hilft weder den Betroffenen, noch dem Sport, noch der Gesellschaft. Und sie hilft umso weniger, je mehr mit den ganz großen Geldbündeln gewunken wird, sprich: je mehr sich Unterhaltungsindustrie, Big Business und Kommerzialisierung im Sport breit machen.

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